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Studien
Twenge et al. 2018: Smartphones & US Adolescent Depression
US-Studie zur Korrelation Smartphone-Nutzung und jugendlicher Depression

Twenge 2018: Der Anstieg jugendlicher Depression seit 2010 und die Smartphone-Hypothese

Jean Twenge (San Diego State University) und Kollegen veröffentlichten 2018 in Clinical Psychological Science eine vielzitierte – und kontrovers diskutierte – Studie, die zeigt: US-Jugendliche zeigen ab etwa 2010 einen deutlichen Anstieg depressiver Symptome und Suizid-Indikatoren. Parallel stieg die Smartphone-Verbreitung dramatisch an.

Mentale Gesundheit
•
Quantitative Feldstudie

Originaltitel

Increases in Depressive Symptoms, Suicide-Related Outcomes, and Suicide Rates Among U.S. Adolescents After 2010 and Links to Increased New Media Screen Time

Autoren

Twenge, Jean M., Joiner, Thomas E., Rogers, Megan L. & Martin, Gabrielle N.

Publikationsjahr

2018

Land

USA

Institution

San Diego State University (Twenge), Florida State University (Joiner)

Sample Size

Nationally repräsentative US-Daten: Monitoring the Future + Youth Risk Behavior Surveillance System; mehrere hunderttausend Jugendliche zwischen 2005 und 2017
Key Finding
Ab etwa 2010 steigen depressive Symptome, Suizidgedanken und Suizidraten bei US-Jugendlichen deutlich an. Twenge et al. zeigen statistische Korrelationen mit der parallel zunehmenden Smartphone-/Social-Media-Nutzung.

Eine Trend-Korrelation, die die Mental-Health-Debatte umkrempelte

Die Studie ist Teil von Twenges breiterem Forschungsprogramm (iGen, Generations) zu Veränderungen zwischen Jugendgenerationen. Sie ist eine der Schlüsselreferenzen für die These einer Smartphone-induzierten Mental-Health-Krise. Wichtig: die Methodik zeigt Korrelation, nicht Kausalität – eine wichtige Einschränkung, die Twenge selbst betont.

Hintergrund und Forschungsfrage

Vor 2018 war bereits bekannt, dass US-Jugendliche zunehmend Mental-Health-Probleme berichten. Twenge und Kollegen wollten den Zeitraum und mögliche Ursachen präzise identifizieren – insbesondere die Hypothese, dass die Smartphone-Verbreitung ab 2010 ein zentraler Faktor sein könnte.

Methodik

Die Forscher nutzten zwei große nationale Datensätze:

  • Monitoring the Future: jährliche Befragung von US-Highschool-Schülern
  • Youth Risk Behavior Surveillance System (YRBSS): CDC-Erhebung jugendlicher Risikoverhalten

Diese wurden für 2005–2017 ausgewertet, um Zeittrends von depressiven Symptomen, Suizidgedanken und tatsächlichen Suizidraten zu identifizieren, und mit parallel verfügbaren Daten zur Bildschirm-/Smartphone-Nutzung in Beziehung gesetzt.

Wichtigste Ergebnisse

  • Anstieg depressiver Symptome: Ab etwa 2010 zeigt sich ein deutlicher Anstieg, besonders bei Mädchen.
  • Suizidraten: Die jugendlichen Suizidraten in den USA steigen ab demselben Zeitraum messbar.
  • Korrelation mit Bildschirmzeit: Jugendliche, die mehr Zeit mit Smartphones/Social Media verbringen, berichten höhere Mental-Health-Belastung als Jugendliche mit geringerer Nutzung.
  • Stärkere Effekte bei Mädchen: Konsistent mit anderen Studien (vgl. Abrahamsson 2024 Norwegen-Studie) zeigt sich ein stärkerer Effekt bei jungen Frauen.

Wichtige Einschränkungen

Die Twenge-Studie zeigt Korrelation, nicht Kausalität. Andere Forscher (insbesondere Amy Orben und Andrew Przybylski, 2019) haben dieselben Datensätze neu analysiert und kamen zu kleineren Effektstärken. Die Debatte ist offen. Twenge selbst betont, dass die statistische Korrelation bedeutsam, aber nicht abschließend ist.

Für die Schulpraxis bleibt die Implikation jedoch robust: Smartphone-/Social-Media-Nutzung und Mental Health bei Jugendlichen hängen zusammen – auch wenn die exakte Kausalrichtung kontrovers ist.

Was bedeutet das für Schulen?

  1. Mental Health ist nicht nur ein medizinisches Problem, sondern ein Schulthema – besonders bei Mädchen in der Adoleszenz.
  2. Strukturelle Maßnahmen, die die Smartphone-Nutzungsintensität reduzieren (wie Schulverbote), könnten – auf Basis dieser und anderer Studien – einen positiven Beitrag zur jugendlichen Mental Health leisten.
  3. Schulen sind nicht für individuelle Eltern-Regeln verantwortlich, aber sie können während der Schulzeit ein kontrolliertes Mental-Health-positives Umfeld schaffen.

Zitiervorschlag

Twenge, J. M., Joiner, T. E., Rogers, M. L., & Martin, G. N. (2018). Increases in depressive symptoms, suicide-related outcomes, and suicide rates among U.S. adolescents after 2010 and links to increased new media screen time. Clinical Psychological Science, 6(1), 3–17. DOI: 10.1177/2167702617723376.

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