Ill Communication: Wie Handyverbote in britischen Schulen die Noten verbessern
Die wegweisende LSE-Studie von Louis-Philippe Beland und Richard Murphy (Centre for Economic Performance, 2015) belegt erstmals systematisch: Handyverbote heben die schulischen Leistungen messbar – mit besonders starkem Effekt für leistungsschwache Schüler:innen.
Schulen, die Handys verbieten, schneiden in Tests messbar besser ab
Die Forscher verglichen 91 Sekundarschulen in vier englischen Städten über vier Jahre. Schulen, die mobile Phones verboten, sahen Testergebnisse um 6,4 % einer Standardabweichung steigen – das entspricht einer zusätzlichen Unterrichtswoche pro Schuljahr. Leistungsschwache Schüler:innen profitierten am stärksten.
Hintergrund und Forschungsfrage
Im Vereinigten Königreich wurden zwischen 2001 und 2013 in vielen Sekundarschulen Smartphone-Verbote eingeführt – allerdings zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Beland und Murphy nutzten diese natürliche Variation, um den Effekt von Handyverboten auf akademische Leistung zu schätzen.
Die zentrale Forschungsfrage: Verändern Smartphone-Verbote die Testergebnisse von Schülern – und wenn ja, in welchem Maße und für welche Schülergruppen?
Methodik
Untersucht wurden 91 Sekundarschulen in Birmingham, London, Leicester und Manchester. Über einen Zeitraum von vier Schuljahren wurden die GCSE-Testergebnisse von rund 130.000 Schülern ausgewertet. Das Forschungsdesign nutzte ein Difference-in-Differences-Verfahren: Schulen, die in einem bestimmten Jahr ein Handyverbot einführten, wurden vor und nach der Einführung verglichen, mit Kontrollgruppen aus Schulen ohne Verbot zur gleichen Zeit.
Wichtigste Ergebnisse
- Durchschnittlicher Leistungsanstieg: 6,4 % einer Standardabweichung in Testergebnissen nach Einführung des Verbots.
- Stärkster Effekt bei leistungsschwachen Schülern: +14 % der Standardabweichung – etwa doppelt so groß wie der Durchschnittseffekt.
- Vergleich zu Unterrichtszeit: Die Verbesserung entspricht ungefähr einer zusätzlichen Unterrichtswoche pro Schuljahr.
- Kein Effekt bei Hochleistern: Schüler mit überdurchschnittlichen Vorleistungen profitierten weniger oder gar nicht – ein Indiz dafür, dass Smartphones speziell bei lernschwächeren Schülern als Ablenkung wirken.
Was bedeutet das für Schulen?
Die Beland-Murphy-Studie ist heute eine der meistzitierten empirischen Belege für die Wirksamkeit von Handyverboten an Schulen. Drei Implikationen für die Praxis:
- Handyverbote wirken messbar – und zwar nicht nur subjektiv (Lehrermeinung), sondern objektiv in standardisierten Tests.
- Bildungsgerechtigkeit: Da der Effekt bei leistungsschwachen Schülern doppelt so groß ist, wirken Smartphone-Verbote als Bildungsgerechtigkeits-Hebel.
- Konsequente Durchsetzung: Die Studie unterscheidet zwischen lockeren und strikten Verboten – stärkere Verbote zeigten stärkere Effekte. Verschließbare Handytaschen wie LOCKSTA setzen diese Konsequenz physisch um.
Zitiervorschlag
Beland, L.-P. & Murphy, R. (2015). Ill Communication: Technology, Distraction & Student Performance. CEP Discussion Paper No. 1350, Centre for Economic Performance, London School of Economics.
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