Cognitive Control in Media Multitaskers: Der Multitasking-Mythos zerbricht
Die wegweisende Stanford-Studie von Ophir, Nass und Wagner aus 2009 zeigt: Wer ständig zwischen mehreren Medien wechselt, wird darin nicht besser – sondern schlechter darin, relevante Informationen herauszufiltern und Aufmerksamkeit zu steuern.
Multitasking ist keine lernbare Fähigkeit – im Gegenteil
Die Forscher klassifizierten Studierende anhand ihres Medienkonsums in Heavy Multitasker und Light Multitasker. Anschließend absolvierten beide Gruppen drei klassische Tests der kognitiven Kontrolle: Filterung irrelevanter Reize, Arbeitsgedächtnis-Verwaltung und Task-Switching. Heavy Multitasker performten in ALLEN drei Bereichen schlechter.
Hintergrund und Forschungsfrage
Die populäre These vor 2009: Junge Menschen, die mit mehreren Bildschirmen aufwachsen, entwickeln eine besondere Multitasking-Fähigkeit – sie können angeblich 'alles gleichzeitig' verarbeiten. Ophir, Nass und Wagner testeten diese These erstmals systematisch.
Methodik
Zunächst füllten 262 Stanford-Studierende einen Medienkonsum-Fragebogen aus. Daraus wurde ein Media Multitasking Index berechnet. Aus diesem Pool wurden die Top-Quartile (Heavy Multitasker, n=19) und Bottom-Quartile (Light Multitasker, n=22) für drei kognitive Experimente ausgewählt:
- Filter-Aufgabe: Aus mehreren Reizen sollten Teilnehmer:innen einen Zielreiz identifizieren und andere ignorieren.
- Arbeitsgedächtnis-Test: N-Back-Aufgabe mit ablenkenden Stimuli.
- Task-Switching: Schneller Wechsel zwischen verschiedenen Aufgabentypen.
Wichtigste Ergebnisse
- Test 1 (Filterung): Heavy Multitasker konnten irrelevante Information NICHT besser ausblenden – sondern ließen sich stärker davon ablenken.
- Test 2 (Arbeitsgedächtnis): Heavy Multitasker zeigten schlechtere Verwaltung des Arbeitsgedächtnisses.
- Test 3 (Task-Switching): Genau hier hätte Heavy Multitasker einen Vorteil haben sollen – stattdessen war ihr Wechsel zwischen Aufgaben langsamer.
- Schlussfolgerung der Autoren: Heavy Media Multitasker entwickeln keine bessere Aufmerksamkeits-Kontrolle, sondern eine schlechtere – sie sind 'Breitband-Sucher' und können nicht fokussieren.
Was bedeutet das für Schulen?
Schüler:innen behaupten häufig, sie könnten 'nebenbei' Smartphones nutzen und gleichzeitig Unterricht folgen. Ophir et al. zeigen: Das ist nicht nur kurzfristig falsch, sondern strukturell. Häufiges Multitasking entwickelt eine kognitive Architektur, die schlechter darin ist, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen.
Implikation: Wer Schüler:innen erlaubt, im Unterricht zwischen Smartphone und Tafel zu wechseln, schadet ihrer kognitiven Entwicklung doppelt – sie lernen den aktuellen Stoff schlechter UND trainieren ihr Gehirn auf eine ineffiziente Aufmerksamkeits-Architektur.
Zitiervorschlag
Ophir, E., Nass, C., & Wagner, A. D. (2009). Cognitive control in media multitaskers. Proceedings of the National Academy of Sciences, 106(37), 15583–15587. DOI: 10.1073/pnas.0903620106.
Weitere Studien
Wir machen Ihre Schule Smartphonefrei



.webp)



Jetzt unverbindlich anfragen
Interessiert an LOCKSTA? Füllen Sie jetzt das Formular aus und lassen Sie uns gemeinsam die passende Lösung für Ihre Schule finden! Wir melden uns umgehend bei Ihnen.

.png)
